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Adriatief oder Italientief

Große Regenmengen möglich

Für viele Wetterphänomene gibt es wissenschaftliche Bezeichnungen und Definitionen, die im allgemeinen Sprachgebrauch aufgrund regionaler Gegebenheiten neue, aber gleichbedeutende Begriffe erhalten. Ein sehr gutes Beispiel ist das Vb-Tief, das selten von den Menschen abseits der Wissenschaft genannt wird und als Adriatief bekannt wurde. Man kennt es aber auch als Italientief.

Adriatief = Vb-Tief und seine Auswirkungen

Wetterlexikon AdriatiefDas stimmt natürlich nur zum Teil, weil ein Adriatief ist zwar ein Vb-Tief, aber es gibt viele andere Vb-Tiefs, die mit der Adria gar nichts zu tun haben. Generell ist ein Vb-Tief ein Tiefdruckgebiet, das aufgrund geografischer Bedingungen sehr viel Feuchtigkeit aufnimmt und diese gegen den Uhrzeigersinn transportiert und als Schneefall oder Regenschauer auf dem Kontinent niedergeht.

Im Falle des Adriatiefs handelt es sich um ein Tiefdrucksystem, das in Mittelitalien entsteht und nordöstlich weiterzieht. Kalte Luft wird von Frankreich nach Mittelitalien transportiert und durch die Sonneneinwirkung gelangen über der Adria sehr große Wassermengen mehrere Kilometer in die Höhe. Diese Wassermengen werden gespeichert und über Landmasse, meist also über Ostösterreich, Ungarn und Slowenien, gegen den Uhrzeigersinn abgelassen.

Wenn das Adriatief vorliegt, ist zu beobachten, dass in Westösterreich wenig davon zu spüren ist, während über Slowenien, Ungarn, oft auch über der Slowakei und Tschechien sowie nach Niederösterreich, Oberösterreich und in weiterer Folge bis Salzburg und Kärnten die intensiven Regenfälle oder im Winter Schneefälle gebracht werden. Es ist durchaus möglich, dass in Tirol oder Vorarlberg gar kein Regen fällt, es ist aber auch, je nach Stärke des Tiefs, möglich, dass inklusive dem bayrischen Raum auch in Westösterreich starker Niederschlag erfolgt.

Durch die großen Wassermengen erfolgt der Niederschlag in intensiver Form und gleichzeitig ist die Bewegung des Tiefs gering. Das hat die Konsequenz, dass auf relativ kleinem Raum enorme Wassermengen zusammenkommen können, die der Boden ganz einfach nicht mehr aufnehmen kann. Ein solches Beispiel war das Jahrhunderthochwasser aus dem Jahr 2002, wobei jene Wettersituation eine ganz extreme war.

Von der Grundlagensituation her war es ein typisches Vb-Tief oder Adriatief, aber es gab kaum Bewegung zwischen den verschiedenen Drucksystemen und daher zog das Tief nicht weiter. Gleichzeitig gab es enorme Niederschlagsmengen, weil es nicht nur geregnet hatte, sondern es gab eine Kombination aus Dauerregen und Starkregen. Da das Tief nicht weiterzog, schüttete es wie aus Kübeln und zwar tagelang. Das musste in einem Hochwasser enden und führte schließlich auch zur Konsequenz, dass man sich mehr Gedanken über den Hochwasserschutz und das Ende der Flussbegradigungen machen musste.

Adriatief und Schneefall

Da das Tief sich kaum weiterbewegt und ständig neue Wassermengen liefert, sind Hochwasserprobleme oftmals die Folge. Umgekehrt ist das Adriatief für einen erheblichen Teil der Schneemenge verantwortlich, die östlich der Linie Salzburg - Lienz in Österreich vom Himmel fällt. Starke Schneefälle, die binnen von 24 Stunden für Schneechaos mit einem halben Meter Neuschnee sorgen, stehen oft im Zusammenhang mit einem Adriatief ergo Vb-Tief.

Auch in diesem Fall baut sich das Tiefdrucksystem in Mittelitalien auf und zieht nach Norditalien. Dort wird es aktiv und schaufelt viel Niederschlag in den Alpenraum - wieder gegen den Uhrzeigersinn. In dem Fall gibt es aber nicht den Regen, sondern große Mengen Neuschnee. Das Adriatief ist im Winter üblicherweise nicht so umfangreich und langatmig wie im Sommer, kann aber trotzdem für erhebliche Probleme sorgen, weil viele Straßen aus Sicherheitsgründen gesperrt werden müssen und weil auch das Thema Lawine zu einem großen wird, auch abhängig von der vorherigen Situation. Gab es schon viel Schnee, dann verschärft sich die Situation zusätzlich.

Adriatief, Alpen und die Wetterscheide: Beispiel Jänner 2019

Ein anschauliches Beispiel für die Bedeutung des Adriatiefs, aber auch für den Alpenhauptkamm in Österreich war der schneeintensive Winter 2018/19 oder eigentlich genauer der Jänner 2019, denn Anfang Dezember gab es kaum Schnee und es war viel zu mild. Aber nach dem Jahreswechsel gab es durch ein massives System über dem Atlantik viel feuchte Luft, die bis zum Alpenhauptkamm kommen konnte und dort hängen blieb. Die Folge war, dass es intensive Schneefälle gab - aber nur im Norden.

Im Süden, speziell in Kärnten war herrlichster Sonnenschein und man musste künstlich beschneien, sonst wäre Skilauf und Snowboarden gar nicht möglich gewesen. Ende Jänner drehte sich die Sachlage aber, denn dann entstand ein Adriatief und prompt gab es vom Brenner in Tirol bis zur Steiermark südlich des Alpenhauptkamms jede Menge Neuschnee. Die Brennerautobahn wurde überhaupt zum Parkplatz, weil nichts mehr ging. Die Schneefälle waren nicht so intensiv wie im Norden, aber nicht viel schwächer, weil binnen Stunden ein halber Meter vom Himmel fiel.

In beiden Situationen zeigte sich auch die regionale Bedeutung von markanten Tiefdruckwirbel. Das Adriatief ist immer für Südösterreich, aber auch Ungarn, Ostösterreich und die Grenze zu Salzburg wesentlich, während die Nordwest-Wetterlagen viel Niederschlag von Vorarlberg bis Niederösterreich bedeutet.

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