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Wählerstromanalyse

Verändertes Wahlverhalten

Mit Wahlumfragen wird vor einer Wahl versucht, die Stimmungslage feststellen zu können, sodass die Leute, aber vor allem natürlich auch die kandidierenden Personen und/oder Parteien wissen, wie sie liegen. Manchmal sind die Wahlumfragen sehr präzise, manchmal sind sie aber weit vom eigentlichen Ergebnis entfernt. Ein anderes Verfahren ist die wissenschaftliche Aufarbeitung des Ergebnisses einer Wahl und das führt zum Begriff der Wählerstromanalyse.

Was ist eine Wählerstromanalyse?

WählerstromanalyseBei diesem Verfahren wird die Frage gestellt, wie sich die Wählerinnen und Wähler verhalten haben, das heißt, ob sie die gleiche Partei gewählt haben wie beim letzten Mal oder ob sie zu einem Wechselwähler wurden und vor allem warum. Das heißt, es ist nicht der Versuch gegeben, ein Wahlergebnis zu ermitteln wie bei der Wahlumfrage, sondern die Zahlen stehen fest und man kann die Veränderungen ablesen, aber die Wählerstromanalyse gibt sich damit nicht zufrieden.

Wenn eine Regierungspartei um fünf Prozent an Stimmen verloren hat und eine Oppositionspartei um drei Prozent zulegen konnte, sind das fixe Zahlen, die auch richtig sind. Es kann aber gut sein, dass die Regierungspartei acht Prozent verloren, doch von anderen Parteien drei Prozent wieder gewinnen konnte. Das heißt, das Ergebnis von minus fünf Prozent kann man noch genauer hinterfragen und die Wahlmotive erkennen. Diese Forschung des Wahlverhaltens bietet sich als Grundlage für weitere Überlegungen vor den nächsten ähnlichen Wahlgängen an.

Dabei gibt es aber auch Trends. Zum Beispiel war es in Österreich lange Jahre so, dass man entweder die SPÖ oder die ÖVP gewählt hat, also die Sozialdemokraten oder die Konservativen. Längst gibt es diese Großparteien nicht mehr, nur selten erreichen sie über 35 Prozent an Stimmanteil und es wechseln die Menschen viel öfter die Partei mit ihrer Stimme. Das kann innerhalb einer politischen Gesinnung passieren, das kann aber auch quer durch das Spektrum erfolgen. Manchmal gewinnen linke Parteien von linken Parteien wie die Grünen von den Sozialdemokraten und umgekehrt oder die ÖVP von den Freiheitlichen und umgekehrt. Manchmal gewinnen aber auch die links interpretierten Parteien von den rechten und umgekehrt.

Die Hausaufgabe für die Wählerstromanalyse ist es nun herauszufinden, warum die Partei gewechselt wurde und von wo welche Stimmen gewonnen oder wohin verloren wurden. Solche Analysen sind auch für die Parteien selbst wichtig, weil es eine Rückmeldung der Bevölkerung auf das eigene politische Streben darstellt.

Wählerstromanalyse und Nichtwähler

Ein Phänomen ist dabei die immer größer werdende Gruppe der Nichtwähler. Das sind oft Menschen, die längst den Glauben aufgegeben haben, dass irgendeine Partei ihre Interessen vertritt und geht gar nicht wählen. Aber wenn es ein enges Rennen zum Beispiel um die nächste Regierungsform, um die Siegerpartei gibt, lassen sich manche aus der Reserve locken und wählen dann doch. Das lässt sich mit der Wahlbeteiligung gut ablesen. Aber auch hier ist die Wählerstromanalyse ein wichtiges Werkzeug, denn es stellt sich die Frage, welche Partei die Nichtwählerinnen und Nichtwähler am ehesten hat ansprechen können und warum.

Solche Erkenntnisse können genutzt werden, um die eigene Arbeit zu hinterfragen oder auch zu überlegen, warum die Konkurrenz in diesem Punkt so viel erfolgreicher war als man selbst.

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