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Sturmtief und seine Entstehung

Größer als tropische Wirbelstürme

Ein Sturmtief bildet sich häufig auf dem Kontinent und hat öfter sogar eine größere Ausdehnung als ein tropischer Wirbelsturm. Doch im Gegensatz zum tropischen Wirbelsturm bilden sich die größten Windgeschwindigkeiten in der Höhe, beim Hurrikan oder Taifun beispielsweise aber am Boden. Die Ausprägung eines Sturmtiefs kann dabei sehr unterschiedlich sein und entsprechend verschieden ist auch die Gefahr, die von diesem Tief mit sehr starken Windspitzen ausgehen kann.

Sturmtief und seine Entstehung

Wetterlexikon SturmtiefDas Sturmtief entsteht durch unterschiedliche Drucksysteme und es kann sich sehr ausdehnen. In Europa erinnert man sich an Kyrill, einem riesigen Sturmtief, das von den Britischen Inseln über Mitteleuropa bis zu den baltischen Staaten für enorme Schäden gesorgt hat. Vom Wind weiß man, dass er die Strecke vom Tiefdruckgebiet zum Hochdruckgebiet zurücklegt und erst zur Ruhe kommt, wenn der Druckausgleich hergestellt wird. Beim Sturmtief sind die Druckgegensätze so groß, dass der Wind deutlich an Geschwindigkeit zulegt.

Sturmtiefs sind vor allem im Winter häufiger möglich, weil über dem Kontinent sich kalte Luft gebildet hat. Es ist Schnee gefallen, die kalte Luft aus den polaren Zonen hat ihren Weg nach Nordeuropa und zum Teil auch nach Mitteleuropa gefunden, während es über dem Atlantik deutlich milder ist. Der Temperaturunterschied ist schon einmal eine gute Ausgangsbasis für die Bildung eines Sturms, aber wenn sich ein Tiefdrucksystem großen Umfangs bilden kann, kann die Gefahr noch größer werden.

Grundlage dieser Winde ist die Zusammensetzung des Sturmtiefs selbst. Wie der Name verrät, handelt es sich um ein Tiefdrucksystem und einem tiefen Kerndruck. Dadurch entsteht ein enormer Druckunterschied zu den anderen Drucksystemen und der Wind bildet sich in der beschriebenen Stärke.

Denn ein Sturmtief enthält zwar den Begriff "Sturm", was normalerweise einen Wind der Stärke 9 ab 75 km/h Windgeschwindigkeit laut der Beaufort-Skala bedeutet, aber das Sturmtief entwickelt mitunter Windgeschwindigkeiten bis zur Orkanstärke. Ein Orkan ist der stärkste in der Beaufort-Skala festgelegte Wind der Stärke 12, der auch Schäden an Gebäuden anrichten kann und ab 118 km/h Gültigkeit hat.

Trotzdem sind die Windgeschwindigkeiten im Gegensatz zum Hurrikan weit geringer, doch Spitzengeschwindigkeiten bis zu 200 km/h sind dennoch möglich und reichen aus, um schwere Schäden zu erzeugen. Und es können auch sehr gefährliche Situationen entstehen, wenn dicke Äste von den Bäumen gerissen werden. Schon öfter sind Menschen dadurch erschlagen worden. Deshalb sind auch die Sturmwarnungen der Wetterdienste ernst zu nehmen.

Auswirkungen des Sturmtiefs

Die Frage ist immer, wo sich ein solches Sturmtief entwickeln kann und davon hängt auch ab, wie großflächig die Schäden sein können. Wenn über dem Atlantik sich ein Tiefdruckgebiet gebildet hat, dem gegenüber über dem Balkan ein massives Hochdruckgebiet wirkt, gibt es in fast ganz Europa starken Wind als Folge. Bei Glück zieht das Sturmtief rasch durch, aber es kann auch zu einer Situation kommen, in der beide Systeme an ihrer Stelle verweilen und daher tagelang der Sturm toben kann. Große Schäden an Dächern, Bäumen, der Infrastruktur wie Strommasten können die Folge sein. In Küstennähe gibt es hohe Flutwellen, beim Autofahren ist der starke Seitenwind zu beachten und es können Platten und andere Objekte zu Wurfgeschosse werden. Das kennt man vom starken Sturm auch so, aber in dem Fall zieht nicht einfach ein Sturm durch und gleicht den Druckunterschied aus, sondern es gibt ein markantes Sturmtief und das kann länger dauern.

Dabei kann es auch widersprüchliche Wettersituationen geben. Im Jänner 2019 sorgte etwa ein solches System für tagelangen starken Sturm im Alpenraum, wobei das System selbst sich im nördlichen Atlantik befunden hatte. Sein Gegenstück war ein Hochdrucksystem über dem südlichen Balkan und die Folge war, dass der Wind viele Wolken gegen die Alpen gedrückt hatte. Diese kamen nicht über die Berge drüber und so schneite es intensiv in Kombination mit dem starken Wind.

Die Folge war nicht nur ein extremer Schneefall mit beeindruckenden Höhen an Neuschnee, sondern auch eine enorme Lawinengefahr aufgrund des Sturms. Hätte es so viel geschneit und es hätte kaum einen Wind gegeben, dann hätte sich die Schneedecke leichter bilden und binden können, aber der Wind verfrachtete die Schneemassen schnell. Das heißt, er transportierte den Schnee von A nach B und sorgte so etwa an den Hängen für sehr große Lawinengefahr. Mit Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und der Steiermark gab es gleich vier österreichische Bundesländern, in deren Bergland die höchste Lawinenwarnstufe ausgesprochen wurde - das passiert äußerst selten.

Südlich des Alpenhauptkammes war das Wetter ganz anders. Der Wind schaffte zwar über die Berge, nicht aber die Wolken. Und so kam es zu Fallwinde und es wurde föhnig. Der Wind war auch da zu beachten, aber es gab keinen Schneefall, sondern warmen Föhn mit deutlich höheren Temperaturen und fast wolkenlosen Himmel. Und so kann die Wirkung des Sturmtiefs aufgrund der geografischen Verhältnisse dafür sorgen, dass es binnen 50 Kilometer Strecke nördlich der Alpen Schnee ohne Ende, Sturm und kaltes Winterwetter samt Lawinengefahr gibt und südlich der Alpen ein warmer, aber auch starker Föhn bläst und man in der Sonne liegen kann.

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