Möchte man das aktuelle Wetter beurteilen, dann gibt es die Temperatur, einen möglichen Wind und seine Windstärke und die Luftfeuchtigkeit als Kriterien. Temperatur und Wind werden im Wetterbericht regelmäßig angesprochen, die Luftfeuchtigkeit aber nicht. Zwar findet man sie in den Detaildaten auf Internetseiten, etwa bei den offiziellen Wetterdiensten und in den Wettermodellen, aber auf der normalen Wetterkarte ist die Angabe der Luftfeuchtigkeit nicht zu finden.
Die Luftfeuchtigkeit ist die Angabe über den Masseanteil des gasförmigen Wasserdampfs in der Luft, und zwar in Form eines Prozentwertes. 20 % Luftfeuchtigkeit bekundet, dass die Luft extrem trocken ist, 60 % bedeutet, dass die Luft sehr feucht ist und man spricht dann auch davon, dass es ein schwüles Wetter gibt. Während man die trockene Luft als kühl wahrnimmt, ist die feuchte Luft die Ursache, warum man schwitzt, obwohl man sich gar nicht körperlich betätigt. Deshalb ist für die Wahrnehmung des Wetters die Luftfeuchtigkeit von zentraler Bedeutung.
Ein einfaches Beispiel
Nehmen wir an, es ist gerade der Monat Mai angebrochen und es gibt ein schönes Wetter mit Sonne und 20 Grad Celsius im Schatten. Nehmen wir weiters an, dass es einen Wind mit 10 km/h gibt. Was wissen wir dann? In Wirklichkeit gar nicht so viel.
Szenario 1:
20 Grad Temperatur, 10 km/h Wind, 20 % Luftfeuchtigkeit
Die Luft ist extrem trocken, man empfindet den leichten Wind als sehr kühl, obwohl es mit 20 Grad im Schatten doch recht warm ist.
Szenario 2:
20 Grad Temperatur, 10 km/h Wind, 40 % Luftfeuchtigkeit
Die Luftfeuchtigkeit weist einen üblichen Wert auf und man empfindet den Wind nicht mehr als so kühl, eher als angenehm. Diese Wettersituation ist fast ein Wunschergebnis für einen Mai-Tag.
Szenario 3:
20 Grad Temperatur, 10 km/h Wind, 60 % Luftfeuchtigkeit
In diesem Fall empfinden wir das Wetter als schwül, die Luft ist sehr feucht und man gerät sehr schnell ins Schwitzen.
Wir lernen aus diesen drei Beispielen, dass bei gleicher Temperatur und gleichem Wind das Wetter nur durch die Luftfeuchtigkeit verschieden wahrgenommen wird. Erst das Wissen um die feuchte oder trockene Luft hilft bei der Entscheidung, welche Kleidung gewählt werden soll. Will man etwa bei kühlen Temperaturen und schwüler Luft eine Runde laufen gehen, dann reicht kurze Kleidung auch dann aus, wenn es eigentlich zu kühl dafür ist. Denn man wird stark schwitzen, und zwar schon bald. Ist es wärmer, aber sehr trocken und windig, dann könnte eine leichte Laufjacke trotzdem hilfreich sein, weil man den Wind als kühl empfindet.
Bildquelle: pixabay.com / xuuxuu
Auch die Fernsicht wird durch die Luftfeuchtigkeit stark verändert. Wenn die Luft sehr trocken ist, hat man eine perfekte Fernsicht, was beim Wandern und jeder anderen Freizeitaktivität wohlwollend entdeckt werden kann. Im Bild oben sieht man ein Bergpanorama mit diesem tiefblauen Himmel und es ist keine Wolke zu sehen. Befindet man sich auf einem der Berge, kann man 100 Kilometer weiter oder noch weiter blicken und hat auch den Eindruck, jedes Detail von weit entfernten Orten, zum Beispielen von Baumkronen eines Waldes, genau erkennen zu können.
Ganz anders sieht die Sachlage aus, wenn es sehr feuchte Luft gibt. Man spricht dann auch oft vom diesigen Wetter und die Fernsicht leidet darunter sehr stark. Das zweite Bild zeigt eine solche Situation, in der man zwar den Berggipfel auch erkennen kann, doch der Himmel ist nicht so tiefblau, wie beim ersten Bild.
Bildquelle: pixabay.com / Fritz_the_Cat
Eine höhere Luftfeuchtigkeit bedeutet auch, dass sich Wolken viel leichter bilden können, aber das muss noch nicht auf kommenden Niederschlag hindeuten. Es gibt auch Situationen, in denen die Luft drückend schwül ist und sogar in den Räumen die Luftfeuchtigkeit Werte von 60 % oder mehr annehmen. Man schwitzt den ganzen Tag und kann auch nicht so gut einschlafen, aber es gibt keinen Regen oder Schneefall. Die Luftfeuchtigkeit ist einfach auf einem hohen Niveau.
Das kann nach mehrtägigen Regenfällen durchaus der Fall sein, aber auch andere Rahmenbedingungen führen zu diesem schwülen und als sehr unangenehm empfundenen Wetter. Ständiger Hochnebel mit 80 % oder mehr Luftfeuchtigkeit im November wäre ein Grund.
Generell kann man zusammenfassen, dass die Luftfeuchtigkeit zwar in den Wetterkarten beim Fernsehwetter oder auf Internetseiten nicht oder kaum angeführt wird, aber der zentrale Faktor ist, wie wir das Wetter tatsächlich wahrnehmen. Auch die Kleidungswahl hängt stark davon ab, wie es um die Luftfeuchtigkeit bestellt ist.
Rund um das Wetter gibt es eine Unzahl an Begriffen und in unserem Wetterlexikon haben wir viele davon beschrieben. Zur Orientierung sind sie in Kapitel untergliedert, sodass man sein gewünschtes Thema leichter finden kann.
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