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Lawine: Ausrüstung für Freerider

Ausrüstung für Freerider und Tourengeher

Besonders für Freerider, die sich im steilen Gelände oftmals weit weg von den präparierten Pisten bewegen, ist die Lawinengefahr sehr groß und daher die Notwendigkeit für eine entsprechende Ausrüstung im Falle eines Unglücks dringend zu empfehlen.

Empfohlene Lawinenschutz-Ausrüstung: der Inhalt

Es gibt allgemeine Empfehlungen, welche Ausrüstung man mit sich führen sollte, wobei es keine Rolle spielt, ob man solo unterwegs ist oder ob man in der Gruppe einen Hang abfährt, denn beispielsweise ein Ortungssystem hilft nichts, wenn es die Kollegen haben und man selbst viele Meter den Hang mitgerissen wurde, selbst aber nicht geortet werden kann.

Empfohlene Lawinenschutz-Ausrüstung im freien Gelände

Je nach Bedingungen wird daher als Mindestausrüstung empfohlen:

  • LVS-Gerät (Lawinenverschüttetensuchgerät)
  • Lawinenschaufel
  • Lawinensonde
  • Freeride-Rucksack

Bewegt man sich fern von der nächsten Hütte, wird außerdem empfohlen:

  • Biwaksack
  • Essen und Trinken
  • Werkzeug und Material, um notdürftige Reparaturen durchführen zu können

Neben diesen Standardausrüstungsgegenständen werden weitere nahegelegt:

  • Handy für Kommunikation
  • Uhr, um sich orientieren zu können
  • Kompass, Höhenmesser
  • Helm und Rückenschutz
  • wenn es sehr kalt ist: Thermoskanne
  • GPS

Überblick über die mögliche Ausrüstung und ihre Vorteile / Möglichkeiten

Avalung oder Lawinenlunge

Eine Möglichkeit, sich für den Fall einer Lawinenverschüttung auszustatten, ist die Avalung. Es handelt sich dabei um ein Zusatzgerät, das als Lawinenlunge bekannt geworden ist und das darauf abzielt, dem verschütteten Menschen mehr Luft zum Atmen zu verschaffen.

Das Gerät vermeidet in erster Linie die Gefahr der Asphyxie, womit das Einatmen der stets gleichen Luft unter der Lawine gemeint ist. Denn damit erhöht sich der CO²-Gehalt im Blut und wirkt wie eine Betäubung oder Narkose. Dieser Zustand ist besonders gefährlich und kann dazu führen, dass man das Verschütten durch eine Lawine nicht lange überleben kann. Das schnelle Auffinden durch Hilfsmannschaften oder Beobachter ist dann häufig zu spät.

Hier setzt die Lawinenlunge Avalung an, denn durch ein Ventil, das sich an der Schulter befindet, wird dem umgebenden Schnee frische Luft entzogen und durch das Mundstück zum Atmen zugeführt. Die ausgeatmete Luft wird vom Körper über ein weiteres Ventil weggeleitet.

Mundstück und Schläuche zum Beatmen können praktisch im Schulterträger verstaut werden und behindern somit nicht während dem Freeriden oder der Skitour. Die Avalung ist ein gutes Prinzip, um das Überleben im Falle einer Verschüttung nach einem Lawinenabgang zu verlängern. Aber die Effizienz eines Lawinenairbags hat dieses System nicht, man wird also nicht nach oben getrieben, dennoch kann das System eine gute Ergänzung zur sonstigen Lawinenausrüstung sein und im Einzelfall auch Leben retten oder zumindest die Überlebenschance ein Stück weit erhöhen.

 

Erste-Hilfe-Ausrüstung am Berg

Passieren kann immer etwas, aber mitten in der Stadt sollte eigentlich Hilfe möglich sein. Am Berg sieht die Geschichte schon anders aus und das betrifft Wanderer ebenso wie Tourengeher oder Freerider, die weit von den Standardpisten unterwegs sind.

Eine Verletzung kann schnell auftreten und daher ist eine Erste-Hilfe-Ausrüstung unbedingt mitzuführen. Dabei sollten keine Anfängerfehler passieren. Was nützt eine große Gruppe und ein Bergführer mit der entsprechenden Ausrüstung, wenn gerade der Bergführer von einer Lawine erfasst wurde und als einziger ein Erste-Hilfe-Set mit sich führte. Die anderen Mitglieder können bei aufgetretenen Verletzungen nicht viel machen.

Daher sollten immer mehrere Personen eine solche Ausrüstung dabei haben und das sollte auch organisiert werden. Ein weiterer Fehler, der mit der Ausrüstung einher geht ist die Tatsache, dass gerne das original verpackte Set mitgenommen wird. Da sind wohl die wichtigsten Dinge für Erste Hilfe vorrätig, aber wenn man für bestimmte Verletzungen anfällig ist oder wenn man bestimmte Materialien schon einmal gebraucht hatte, dann sollte man dieses Wissen und die Erfahrung einbringen und die Erste-Hilfe-Sets entsprechend verändern und/oder erweitern.

Inhalt der Erste-Hilfe-Ausrüstung

Zu den Dingen, die die Ausrüstung enthalten sollte, zählen natürlich Verbandsmaterial wie Mullbinden, Mullverband, der elastisch ist, Dreiecktücher, sterile Wundauflagen und Kompressen, Desinfektionsmittel, Pflaster, Pinzette, Schere und elastische Binden. Medikamente sollten nur nach Rücksprache mit dem Hausarzt mitgeführt werden. Mittel gegen Durchfall oder Antibiotika werden häufig eingepackt. Mit dieser Zusammenstellung sollte Verletzungen für die erste Phase der Behandlung abgedeckt sein.

Bei schlimmeren Verletzungen nach Unfälle ist ohnehin ein Notarztteam die bessere Adresse, man kann sich aber kurzfristig weiterhelfen und einen Verband anlegen, um keine Verschlimmerung zu riskieren.

 

Lawinenairbag als Rettungsanker

Der Airbag im Auto ist den meisten bekannt, der Lawinenairbag ist vielleicht nur Insidern und Profis bekannt, die sich als Freerider an steilen Hängen versuchen und das Risiko reduzieren wollen. Eine Lawine wird damit nicht vermieden, aber man kann die Chance erhöhen, eine Lawine zu überleben.

Der Lawinenairbag fußt auf der Idee, dass bei großen, in Bewegung befindlichen Massen, wie es eine Lawine ist, eine natürliche Selektion erfolgt. Kleine Teile werden nach unten gedrückt, große Teile sind in den oberen Schichten der Lawine zu finden. Man spricht auch davon, dass die großen Teile oben schwimmen.

Der Mensch als solches ist ein großer Teil, aber er wird durch den Lawinenairbag noch größer, da zusätzliches Auftriebmittel gegeben ist. Die Effizienz eines Lawinenairbags ist so groß, dass in den meisten Fällen der Airbag nach dem Abgang einer Lawine sogar an der Oberfläche zu sehen ist. Das ist nicht immer der Fall, aber kommt häufig vor. Andernfalls befindet sich der verschüttete Mensch nur unweit von der Oberfläche der Schneemasse entfernt.

Auslösen des Airbags

Ausgelöst wird der Airbag durch einen Griff, der gezogen wird, sobald sich die Lawine auslöst. In der Praxis hat man schon öfter feststellen müssen, dass man in der Stresssituation vergisst, den Griff zu ziehen und daher wurde auch eine Technik entwickelt, die ein Fernauslösen möglich macht. Ein Bergführer könnte zum Beispiel den Airbag auslösen, wenn ein Gruppenmitglied von einer Lawine bedroht wird.

Der Lawinenairbag ist eine sinnvolle Ergänzung zum Pflichtprogramm (LVS, Schaufel, Sonde) und kann Menschenleben direkt retten, wenn es zu einem Lawinenabgang kommt. Besonders effektiv ist das System, wenn man es aktiv auslöst, aber das ist situationsbedingt. Denn man kann auch von einer Lawine überrascht werden, die von oben herabstürzt, während man nach unten geblickt hatte.

 

Lawinenball als Anzeigehilfe

Bevor die Technik Hilfesysteme für Lawinenverschüttete wie das LVS-Gerät bereitstellen konnte, gab es simplere Hilfsmittel, die im Fall eines Lawinenabganges unterstützen sollten, um verschüttete Menschen schnell unter den Schneemassen zu finden.

Die bekannste Hilfsmethode war die Lawinenschnur, die mit dem Lawinenopfer verbunden ist und anzeigen soll, wo sich der Mensch befindet. Der Haken dabei war, dass man die Schnur oft nicht sehen konnte oder nur sehr dürftig. Um dieses Manko auszugleichen, wurde die Idee des Lawinenballs geschaffen.

Dabei handelt es sich um einen orangefarbenen Ball, der am Ende der Lawinenschnur angebracht ist und sich vom Schneeuntergrund deutlich abhebt, sodass die Möglichkeit klar verbessert wird, leichter gefunden zu werden. Allerdings ist dieses Hilfsmittel nur bedingt zu empfehlen, denn in der Praxis hat sich herausgestellt, dass alleine schon das Verhältnis von Preis und Erhöhung der Überlebenschancen kein sehr gutes ist und andere Lösungen viel mehr weiterhelfen und in punkto Gewicht und Volumen auch klar im Vorteil sind.

Der Lawinenball ist eine Option in der Lawinenausstattung, verliert aber immer mehr an Bedeutung. Denn er hat keine Sensorfunktion, muss per Handgriff ausgelöst werden, was manchmal vergessen wird und er bietet auch nicht mehr Luft wie die Lawinenlunge, Avalung bezeichnet. Somit sind neuere Methoden und Ausrüstungsgegenstände für Menschen, die als Freerider im Gelände unterwegs sind oder die Teil einer Skitour sind, besser geeignet.

 

Lawinenschaufel für den Ernstfall

Ist eine Lawine abgegangen und ein Kamerad verschüttet worden, dann ist die Ortung ein erster Schritt, um Leben zu retten. Weiß man, wo der Kamerad liegt, dann muss man ihn von den Schneemassen befreien und das möglichst rasch. Deshalb wird empfohlen, beim Bewegen abseits der gesicherten Pisten immer eine Lawinenschaufel mit sich zu führen.

Die Schaufel sollte jeder haben, denn was nützt die Schaufel, wenn sie beim Verschütteten liegt und alle anderen Gruppenmitglieder haben keine dabei. Schaufel ist auch nicht gleich Schaufel. Praxistests haben gezeigt, dass sich Produkte aus Kunststoff nicht eignen. Der Grund ist jener, dass es sehr kalt sein kann und die Plastikfläche kann schnell spröde werden und brechen. Dann ist die Schaufel für die rasch nötige Befreiung der verschütteten Menschen unbrauchbar.

Viel besser eignen sich Lawinenschaufeln, die aus Metall verarbeitet sind. Hier hat sich einmal mehr Aluminium als beliebtes Material herauskristallisiert, wobei es verschiedene Schaufeln von unterschiedlichen Anbietern gibt. Die Metallschaufeln erfüllen den Zweck, lassen sich von tiefen Temperaturen und schwerem Schnee nicht beeindrucken und leisten gute Dienste im Ernstfall.

Gute Schaufeln mit D-Griff

Eine gute Idee ist eine Schaufel, die mit dem sogenannten D-Griff ausgestattet ist. Dadurch kann man die Schaufel gut halten und auch bei nassem, schweren Schnee schnell vorwärts kommen. Interessant sind schon alleine des Transportes wegen Schaufeln, die einen verstellbaren Stiel haben, sodass man wenig Platz für das Mitführen braucht. Dann ist die Schaufel nicht im Weg und man ist trotzdem auf der sicheren Seite, sollte etwas passieren.

 

Lawinensonde als Hilfsmittel

Gerne wird bei der Ausstattung gespart, wenn man sich in den Bergen aufhält und einen Hang mit Snowboard oder Ski abfahren möchte. Die Gefahr der Lawinen ist aus den Medien bekannt, aber das Motto "es wird schon nichts sein" überwiegt doch immer wieder. Das gilt auch für das Mitführen einer Lawinensonde.

Die Lawinensonde kann bei der Suche und Bergung von Lawinenopfern Leben retten und besteht aus unterschiedlichen Materialien. Üblicherweise ist die Sonde etwa 2,5 Meter lang und lässt sich gut zusammenlegen, wobei die Verbindung der einzelnen Elemente durch ein Spannkabel bewerkstelligt wird. Auf diese Weise kann die recht lange Sonde auf sechs Elemente zusammengelegt werden.

Das Spannkabel ist aber das Kriterium. Es gibt Lawinensonden, die mit einem Spannkabel aus Textilien angeboten werden. Diese haben sich aber als nicht sehr günstig erwiesen, weil sie eine zu große Elastizität mit sich bringen und im Ernstfall dann weniger hilfreich sind als Lawinensonden, die mit einem Metallkabel ausgestattet sind.

Empfehlung: Lawinensonde aus Aluminium

Daher werden gerne Alusonden empfohlen, die die gleiche Länge haben, aber in der Handhabung die besseren Ergebnisse erzielen. Möchte man mehr Geld ausgeben, ist das Nonplusultra bei den Lawinensonden die Karbonsonde. All diese Sonden sind gleich lang, nur das verwendete Material unterscheidet sie.

Die Sonde ist ein wesentlicher Baustein der Notausrüstung im Falle eines Lawinenabgangs. Das schnelle Auffinden von verschütteten Menschen ist eine Grundvoraussetzung für die Rettung und die Sonde zeigt an, wo man sich befindet, wenn man sich nicht selbst befreien kann.

 

LVS = Lawinenverschüttetensuchgerät

Ist eine Lawine den Hang heruntergestürzt und hat Menschen unter sich begraben, besteht die größte Überlebenschance für die Betroffenen darin, schnell gefunden zu werden. Aus diesem Grund wurde das LVS-Gerät entwickelt, wobei LVS für Lawinenverschüttetensuchgerät steht.

Es handelt sich dabei um ein Gerät, das jeder abseits der gesicherten Pisten mit sich führen sollte und das der Ortung dient. Moderne Geräte werden als Dreiantennengeräte eingesetzt, sodass auch die Ortung verschiedener Personen in einem Schneefeld nach einem Lawinenabgang möglich werden. Man kann als suchender Helfer die Leute in ihrer Position markieren und sich von einem Lawinenopfer zum nächsten weiterarbeiten.

Der Begriff des Dreiantennengerätes basiert darauf, dass drei Antennen eine 3D-Ortung möglich machen, sodass zum einen aus dem Verhältnis der X-Antenne zur Y-Antenne die Position des verschütteten Menschen bestimmt werden kann, also die Richtung, in der sich die Helfer bewegen müssen, um den Menschen schnell finden zu können. Zusätzlich kann durch das Zusammenzählen der der Signalstärke aller drei Antennen bestimmt werden, wie weit der Mensch von der Position des Suchenden entfernt liegt.

Das Senden des Signals selbst erfolgt aber nicht durch alle drei Antennen, sondern durch die längste Antenne, die die größte Signalstärke erreicht. Der Vorteil der LVS-Geräte besteht darin, dass ihre tief gewählte Frequenz keine großen Wellenwiderstände in Luft oder Wasser hervorrufen. Das bedeutet, dass das Signal in etwa gleich stark gesendet werden kann, egal, ob man einen halben Meter tief vergraben unter der Lawine liegt oder ob man drei Meter unter der Oberfläche liegt.

Artikel-Infos

Lawinenkunde Ausrüstung für Freerider und TourengeherArtikel-Thema:
Lawine: Ausrüstung für Freerider
letztes Datum:
27. 12. 2019

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