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Hochwasser im Juni 2019 in Westösterreich

Schneeschmelze statt Starkregen

Hochwasser kennt man in Österreich durch die Kombination aus den zahlreichen Flüssen und Gewässern wie Seen und markanten Wettersituationen wie tagelangem Starkregen. Besonders übel war es 2002, aber auch 2013 gab es großflächiges Hochwasser. Es geht aber auch anders, wie der Juni 2019 zeigte, denn zwar gab es in Vorarlberg Probleme auch durch Starkregen in der Schweiz, aber vor allem wegen der starken Schneeschmelze.

Hochwasser durch Schneeschmelze in Westösterreich

Die letzten Jahre waren geprägt durch relativ wenig Schneefall und zu warme Winter, wodurch der Faktor Schneeschmelze kaum zu einem Hochwasser führen konnte. Es gab zwar den einen oder anderen schneeintensiveren Winter, aber der Schnee schmolz gemächlich vor sich hin. 2019 war die Situation anders. Zwar ließen November und Dezember zu wünschen übrig, doch als es 2019 wurde, gab es einen der wohl intensivsten Schneefall der letzten Jahrzehnte und als ob das noch nicht reicht auch noch eine neue Schneeauflage im zu kühlen Mai 2019. Damit hatten viele Gipfel von Vorarlberg bis Salzburg zum Teil rekordverdächtig hohe Schneeauflagen, mancherorts gar über fünf bis sechs Meter.

Dieses Zuviel an Schnee traf im Juni 2019 auf ein Zuviel an Sonne und Temperatur, was zur Folge hatte, dass pro Tag bis zu 20 Zentimeter der weißen (oder nicht mehr gar so weißen) Pracht dahinschmolz. Damit füllten sich die Bäche und in weiterer Folge Flüsse wie der Inn.

Und es kam zu einer ganz außergewöhnlichen Situation in Österreich, weil von Salzburg ostwärts glühte die Sonne vom Himmel und es gab 30 bis 35 Grad im Schatten, Städte wie Wien hatten wieder einmal eine Tropennacht nach der anderen, während es in Vorarlberg alles andere als sommerlich war. Temperaturen um die 20 Grad waren schon das Höchste der Gefühle und dabei gab es auch noch einigen Regen und Gewitter. Tirol war die Wetterscheide und brachte es auch auf 25 Grad, aber nicht auf die große Hitze von Ostösterreich, doch es gab starke Gewitter, die von Südtirol hereingezogen waren. Vorarlberg wiederum war die Ostgrenze von regnerischem Wetter, das vor allem die Schweiz heimgesucht hatte.

Und so kam es, dass der Regen der Schweiz ergo das weitertransportierte Wasser auf den geschmolzenen Schnee in Vorarlberg traf und als Konsequenz gab es im Rhein-Vorland Hochwasser und Überschwemmungen, die aber überschaubar waren und bald wieder erledigt waren.

Krisenzone Inntal

Anders war die Lage in Tirol. Denn der Inn bekam einerseits auch aus der Schweiz Regenwasser herangespült und es war deutlich wärmer als in Vorarlberg, daher war die Schneeschmelze umfangreicher. Diese Verknüpfung sorgte für einen Pegelstand von über 6 Meter beim Inn auf Höhe der Landeshauptstadt Innsbruck, sodass der mobile Hochwasserschutz zum Teil vorbereitet, zum Teil auch aufgebaut werden musste.

Mit über 6 Meter hatte man es mit einem 100-jährlichen Hochwasser zu tun, also einem Hochwasser, das laut Statistik nur einmal in 100 Jahren auftritt und damit ist die außergewöhnliche Situation auch sehr gut umschrieben. Brücken und Stege mussten gesperrt werden und die Feuerwehren waren im Dauereinsatz.

Das Problem war dabei weniger, dass etwa die Altstadt überschwemmt werden könnte, denn Innsbruck war fähig, ein 300-jährliches Hochwasser zu bewältigen. Es ging vielmehr darum, dass der Grundwasserspiegel immer weiter stieg und damit drang das Wasser durch die Kanaldeckel auf die Straßen und als Konsequenz rann das Wasser in die Keller einiger Gebäude, die ausgepumpt werden mussten.

Abseits von Innsbruck war vor allem Schwaz im Fokus, weil dort war die Gefahr sogar noch größer einzuschätzen, weshalb der Zivilschutzalarm ausgerufen wurde. Die Menschen wurden entsprechend informiert und die Lage blieb gespannt.

Der Höhepunkt war Zug um Zug vom Pfingstmontag, dem 10. Juni 2019 bis zum Mittwoch, den 12. Juni 2019 angestiegen. Der Höchststand des Inn auf Höhe von Innsbruck wurde gegen Mitternacht in der Nacht auf den 13. Juni gemessen. Danach gingen die Pegelstände ganz langsam zurück.

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Das Hochwasser kann verschiedene Intensitäten haben. So gab es im Oktober 2020 in Ostösterreich überraschend intensiven Regen über Tage und auf Höhe von Hainburg, wo die Donau in den trockenen Jahren zuvor kaum mehr als einen Meter Wasserstand hatte, gab es auf einmal über fünf Meter Wasserstand an der Donau, was einem HQ5 entsprach. Passiert ist aber nichts, es muss also nicht gleich eine Überflutung stattfinden. Die HQ-Angabe zeigt aber, dass außergewöhnlich viel Wasser vorhanden war und so ist die Angabe des HQ-Ereignis eine wichtige Information.

Das Jahrhunderthochwasser 2002 ist allen noch in Erinnerung, es gab aber auch danach in Österreich und zum Teil auch in weiteren europäischen Ländern ein Zuviel an Wasser, warum auch immer.

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Hochwasser im Juni 2019 in Tirol und VorarlbergArtikel-Thema: Hochwasser im Juni 2019 in Westösterreich

Beschreibung: Durch die starke Schneeschmelze entstand im Juni 2019 ein Hochwasser vorübergehend in Vorarlberg und noch ausgeprägter in Tirol mit einem Wasserstand des Inn über 6 Meter.

letzte Bearbeitung war am: 26. 10. 2020

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