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Hochwasser in Österreich 2009

Hochwasser 2009 durch ein Vb-Tief

In der dritten Woche des Juni 2009 entfaltete ein Vb-Tief seine ganze Wirkung und das bekam man in Österreich rasch zu spüren. Ein Vb-Tief ist ein Tief, das sich in Italien bildet. Es setzt sich aus der Wärme des Mittelmeeres und einer Kaltluftzufuhr aus dem französischen Regionen zusammen und sorgt dafür, dass Feuchtigkeit gegen den Uhrzeigersinn zum Alpenraum gespült wird.

Eine solche Wettersituation war 2002 für das Jahrhunderthochwasser verantwortlich, das riesige Schäden in Österreich, Deutschland und weiteren Ländern Mitteleuropas gesorgt hatte. Auch 2009 waren die Schäden groß, wenngleich die Dimension von 2002 nicht erreicht wurde. Das Hochwasser 2002 bestand eigentlich aus zwei solcher Tiefdrucksysteme, die sich kaum weiterbewegt hatten. Auch das Hochwasser 2009 kann in zwei Phasen zerlegt werden. Die erste Phase war intensiver Regenschauer, der tagelang angehalten hatte. Die zweite Phase bestand aus feuchtlabiler Luft, die zu erheblichen Unwettern in Form von Gewitter führte.

Hochwasser 2009: Phase 1

Phase eins des Hochwassers 2009 begann am 22. Juni 2009. In Wien schüttete es den ganzen Tag und dieser Montag brachte für Wien ungewöhnliche Niederschlagsmengen von fast 100 Liter pro Quadratmeter in bestimmten Bezirken. Auch in Niederösterreich regnete es viel, doch der intensive Regen, der später zum Hochwasser führte, setzte erst am Dienstag, den 23. Juni 2009 ein. Dann aber kam es zu sintflutartigen Regenfällen, die bis zum 25. Juni alleine in Lunz am See 250 Liter pro Quadratmeter erbrachten.

Besonders betroffen war das Mostviertel im Westen Niederösterreichs, der Norden der Steiermark und Teile von Oberösterreich. Auch in den Bundesländern Salzburg und Tirol kam es zu Überschwemmungen, wenngleich der Schwerpunkt im Mostviertel und südlich sowie westlich davon festgestellt wurde. In Steyr wurden schnell die Kais gesperrt, weil Enns und Steyr Hochwasser führten, in Aschbach war die Unterführung der Bundesstraße bald überschwemmt und zahlreiche weitere Verbindungen mussten gesperrt werden.

Bei der Donau merkte man am 23. Juni nicht viel, die Informationen im Internet oder per Teletext verrieten nichts von einem Hochwasser, was sich aber in den folgenden Tagen stark änderte. Hier zeigt sich auch der unterschiedliche Charakter der Flüsse und Bäche. Manche Bäche sind binnen einer Stunde zu reißenden Flüssen geworden, können aber innerhalb kurzer Zeit wieder zurückgehen. Die Donau hingegen braucht lange, um anzusteigen, das große Problem - das war auch 2002 so - ist aber die Tatsache, dass die Donau auch lange braucht, bis das Hochwasser wieder zurückgeht.

Entscheidende Flüsse wie Ybbs, Steyr, Enns stiegen binnen weniger Stunden um zwei oder mehr Meter an und dieses Wasser wurde in die Donau transportiert. Dort stieg der Pegel auch ständig, aber die Rekordwerte von 2002 wurden nicht erreicht. Manche Gemeinden waren bereits durch neue Hochwasserschutz-Vorrichtungen vorbereitet - Vorrichtungen, die als Konsequenz von 2002 gebaut worden waren. Andere Gemeinden waren mittendrin in den Umbauarbeiten und wurden kalt erwischt.

Wien selbst war nicht wirklich betroffen, doch die Neue Donau musste geflutet werden und damit geriet das Donauinselfest in Gefahr. Dessen Areal wirkte wie eine Schlammlandschaft, dennoch konnte man das Inselfest retten und durchführen. Es schien aber nach dem 25. Juni so, dass das Ärgste überstanden wäre. Großer Schaden ist entstanden, Keller mussten leergepumpt werden, viele Häuser waren betroffen, die es schon 2002 voll erwischt hatte, aber das Wasser ging zurück und Straßen konnten freigegeben werden.

Doch dann kam Phase zwei des Hochwassers von 2009

Das Vb-Tief wanderte nur sehr langsam von Italien ostwärts auf den Balkan. Es schaufelte weiterhin über Ungarn, der Slowakei und Tschechien feuchte Luftmassen nach Österreich. Auch Bayern war betroffen. Nun war das Problem, dass täglich das gleiche Spiel stattfand: zuerst gab es lokal ein paar morgendliche Regenschauer, dann wurde es trocken, die Luftfeuchtigkeit blieb aber hoch und die Sonne heizte die Luft an. Mit jedem Grad Celsius stieg auch die Gefahr, dass sich Gewitter bilden können. Und diese kamen jeden Tag - und sie waren in ganz Österreich möglich.

In Salzburg gab es keine großen Hochwasserprobleme, aber einzelne Gewitter richteten verheerenden Schaden an. Gleiches galt für Tirol oder Kärnten. Aschbach, das bereits in Phase eins betroffen war, wurde durch Unwetter wieder heimgesucht und die Bundesstraße musste wieder gesperrt werden. Gleiches galt für viele andere Strecken in Niederösterreich.

Besonders schlimm wurde die Situation aber nun im Südosten. Die ersten schlimmen Gewitter, nachdem der dauerhafte Regen aufgehört hatte, betrafen das Südburgenland. Dort gab es einen ganzen Nachmittag lang intensive Gewitter, zahllose Blitzeinschläge und Starkregen, der die Gemeinde Güssing und die weitere Umgebung heimgesucht hatte. Güssing stand unter Wasser, der Strembach, der südöstlich verläuft, führte viel Hochwasser und staute sich an einer Brücke, wodurch es zu einem Rückfluss kam und die Gemeinde Strem, östlich von Güssing völlig unter Wasser stand.

Typisch für die Phase zwei des Hochwassers 2009 war das Faktum, dass Strem schon mit den Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser begonnen hatte, als die nächsten Gewitter kamen und wieder alles unter Wasser stand.

Durchfeuchtete Hänge in der Steiermark

Sehr schwierig war die Situation auch in der Oststeiermark. Zusammen mit dem Burgenland waren 400 (!!) Hänge vom Abrutschen bedroht. Der Boden konnte kein Wasser mehr aufnehmen und die Hänge drohten sich in ihre Einzelteile aufzulösen und zu Tale zu stürzen. Dort stehen aber viele Häuser, die zum Teil evakuiert werden mussten. Mit jedem weiteren Gewitter stieg die Gefahr, dass Häuser verschüttet werden könnten.

Viele freiwillige Helfer und vor allem auch die Feuerwehr und das Bundesheer versuchten mit allen Mitteln, dies zu verhindern. Gerade die Einsatzkräfte des Bundesheeres, die angefordert wurden, versuchten mit Speeren die Hänge zu sichern. Täglich kamen neue Gewitter und damit neue Gefahrenherde. Die Böden waren nicht mehr fähig, das viele Wasser aufzunehmen und im Gegensatz zum dauerhaften Regen von Phase eins war das Problem der Gewitter in Phase zwei, dass diese lokale und sehr große Mengen an Wasser in sehr kurzer Zeit lieferten. Bäche, die schon wieder Normalstatus erreicht hatten, stiegen wieder an und man konnte diesem Prozess sogar zusehen, so schnell erhöhte sich das Niveau.

Feuerwehren standen wochenlang im Dauereinsatz und die Einsatzkräfte gingen weit über ihre möglichen Grenzen, um zu retten, was zu retten geht. Lange, nachdem die ersten Regenschauer in Wien am 22. Juni niedergegangen waren, lange nach dem Beginn des Hochwassers 2009, bereits im Monat Juli 2009 bedrohten die Gewitter weiterhin viele Regionen in Österreich und zahlreiche Gemeinden standen noch immer unter Katastrophenalarm.

Auch international war viel geschehen. Zumindest zehn Menschen verloren ihr Leben in reißenden Fluten, vor allem in Tschechien gab es einige Todesopfer zu beklagen, aber auch in Österreich gab es tragische Unfälle. Interessant ist, dass Ungarn kaum vom Hochwasser betroffen war, während die Hauptlast von Tschechien bis nach Bayern reichte - mit dem Schwerpunkt Österreich.

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