Wer sich mit der Herkunft von Farbtönen beschäftigt, stößt unweigerlich auf die Botanik. Lange bevor Labore synthetische Töne mischten, lieferte die Natur alle nötigen Pigmente für die Malerei. Ein botanisch hochinteressantes Gewächs aus der Familie der Rötegewächse rückt aktuell in das Blickfeld von Menschen, die alte Techniken des Handwerks neu beleben. Der Baum mit dem wissenschaftlichen Namen Mitragyna speciosa wächst primär in feuchten tropischen Gebieten wie Borneo. Er bildet große, geäderte Blätter aus. Genau dieses Laub liefert jene pflanzlichen Farbstoffe, die sich für die Herstellung von Erdtönen eignen. Das feine Pulver des Baumes findet seinen Weg in europäische Ateliers, wo es als Basis für organische Lasuren und texturierte Pasten dient. Die Zellstruktur der Blätter speichert Stoffe, die beim Trocknen spezifische farbliche Nuancen ausbilden.
In der Alpenrepublik gestaltet sich die Suche nach speziellen Pigmenten aus der Pflanzenwelt oft schwierig. Der lokale Markt für historischen Bedarf für Künstler ist überschaubar, da die Nachfrage sehr spitz ist. Fachgeschäfte vor Ort führen meist nur die gängigen mineralischen Erden aus Italien oder klassische pflanzliche Farben wie Indigo. Maler und Färber weichen daher oft auf das Nachbarland aus, wenn sie für ihre gestalterischen Projekte Kratom kaufen aus Deutschland. Gut sortierte Händler im Internet bieten das gemahlene Laub in exakt definierten Abstufungen an. Die Qualität des organischen Rohstoffs hängt dabei davon ab, wie fein die Mühlen in den tropischen Herkunftsländern die Blätter verarbeitet haben. Ein pudriger Mahlgrad erleichtert später das Mischen mit flüssigen Medien auf der Palette massiv. Grobe Stücke eignen sich höchstens für rustikale, erhabene Strukturen auf dem Keilrahmen.
Bildquelle: unsplash.com / Amauri Mejia
Die endgültige Farbe des Pulvers entsteht nicht direkt am Ast. Frische Blätter leuchten immer in einem kräftigen Grün. Erst die gezielte Verarbeitung nach der Ernte bestimmt den finalen Ton für die spätere Palette im Studio. Trocknen die Blätter schnell in gut belüfteten Räumen, bleibt das natürliche Chlorophyll in den Zellen erhalten. Das Resultat nach dem Mahlen ist ein sattes, moosiges Grün. Setzen die Bauern das Laub hingegen der Sonne aus oder verpacken es feucht in Säcke, setzt eine natürliche Fermentation ein. Dabei bauen Mikroorganismen die grünen Farbstoffe ab. Andere organische Verbindungen oxidieren und färben das Material dunkelrot bis bräunlich. Diese Vorgänge ähneln stark der Produktion von schwarzem Tee. Für Menschen, die mit diesen Pulvern malen, entstehen so völlig natürliche Nuancen, die von einem warmen Beige bis hin zu tiefer Umbra reichen.
Die praktische Arbeit mit pflanzlichem Staub erfordert etwas Geduld. Im Gegensatz zu fein geriebenen Mineralien saugen organische Bestandteile Flüssigkeiten enorm stark auf. Wer eine Farbe für Aquarelle herstellen möchte, reibt das trockene Pulver mit etwas Wasser und einem Tropfen Gummi arabicum auf einer Glasplatte an. Diese nasse Masse muss eine Weile ruhen, damit sich die Partikel der Blätter vollsaugen. Auf dem Papier trocknet dieser Mix extrem matt auf und hinterlässt eine erdige Textur.
Für dickere Schichten auf Holz oder Leinwand rührt man den Staub in Öl aus Leinsamen oder in eine weiße Paste aus Acryl. Das Material quillt im flüssigen Binder auf und reißt leicht auf, wenn es trocknet. Das Entstehen dieser Risse erzeugt eine plastische, lebendige Oberfläche. Das einfallende Licht bricht sich in den kleinen Kratern, was dem Werk eine starke räumliche Tiefe verleiht. Weil pflanzliche Pigmente auf das Licht der Sonne reagieren, verändern die Bilder über die Jahre sanft ihren Charakter und bleichen leicht aus. Das verleiht der Kunst eine bewusste Vergänglichkeit.
Rund um das Studieren und die verschiedensten Studienrichtungen gibt es viele Ratgeber und Informationen, die sich besonders an jene richten, die noch nicht ihren Traumberuf gefunden haben. Es gibt aber auch Informationen über Produkte, Methoden und Strömungen rund um Studienrichtungen.
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