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Schneechaos und acht Lawinentote in Österreich

Schneefall wird noch andauern

Der Extremwinter in Österreich hält weiter an und nicht nur in Österreich. Seit dem Jahreswechsel auf das neue Jahr 2019 kam es zu intensiven Schneefällen, die meist auch in Kombination mit starkem Wind, zum Teil Sturmböen die Nordstaulagen erreicht haben und weiterhin erreichen. Damit sind so manche Schneerekorde in Reichweite, wobei die Rekorde meist nur möglich sind, wenn es schon ab November stark geschneit hatte - und das war 2018 aber nicht der Fall.

Das grundsätzliche Problem ist, dass das Problem sich noch verschärfen wird. Obwohl es schon so lange starke Schneefälle gab, gibt es noch eine Ladung bis Freitag und ab Freitag abend bis Dienstag nochmals. Erst dann könnte sich das Wetter beruhigen.

Massives Hoch über dem Atlantik deckt den Alpenraum ein

Schneechaos und Lawinentote in ÖsterreichDie Ursache für das ganze Chaos ist ein massives Hochdruckgebiet, das im nördlichen Atlantik im Uhrzeigersinn für Dynamik sorgt. Der Uhrzeigersinn bedeutet, dass eine Sturmfront nach der anderen in südöstlicher Richtung weitertransportiert wird und das betrifft nicht nur Österreich als finales Zielgebiet, sondern auch Nordwesteuropa. In Amsterdam musste einer der größten Flughäfen gesperrt werden, weil die Sturmböen einfach zu gefährlich wurden. Die Fluglinie KLM strich gleich einmal sämtliche Flüge, tausende Passagiere waren davon betroffen.

In Bayern spielen sich ähnliche Szenen ab wie in Österreich - ganze Orte sind von der Außenwelt abgeschnitten und man weiß nicht mehr, wohin man mit dem Schnee soll. Und der Wind aus Nordwest macht die Sache nicht einfacher. Und genau dieses Szenario spielt sich seit Tagen auch in Österreich ab.

Da wären einmal die feuchten Luftmassen, die in Kombination mit dem Wind, oftmals dem Sturm und Spitzen um die 70 bis 100 km/h in Form von Schnee vom Himmel fallen und zwar in so intensiver Weise, dass an manchen Tagen gleich einmal ein halber Meter gelifert wurde, mitunter sogar mehr. Das war dann aber kein einmaliges Ereignis, es wiederholt sich fast täglich. Nur punktuell gab es Ruhepausen wie etwa am Dienstag Nachmittag, wodurch man eingeschneite Gäste aus dem Skigebiet lotsen konnte. Aber das war auch nur punktuell möglich.

In der Obersteiermark, im Süden von Niederösterreich und Oberösterreich sowie in Teilen von Salzburg gilt die höchste Lawinenwarnstufe fünf, was bedeutet, dass sich massive Lawinen von selbst lösen können und sie können auch bis in die Orte reichen. Damit können sie zu Katastrophenlawinen werden. Deshalb gilt in manchen Orten die Warnung, möglichst daheim zu bleiben. Schulen blieben geschlossen.

Acht Lawinentote, weiterer Schnee

Wie gefährlich die Lage längst wurde, zeigen zwei Beispiele. Im einen Fall wurde eine Gruppe von sechs Jugendlichen von den Ausläufern einer Staublawine auf einer gesicherten Piste erfasst und über den Pistenrand transportiert und verschüttet. Sie konnten sich aber zum Teil selbst befreien und auch die Bergretter waren schnell vor Ort. Eine Person wurde leicht verletzt, ansonsten kam man mit dem Schrecken davon. Immer mehr Skigebiete haben ihren Betrieb aus genau diesem Grund eingestellt. Die Schneemassen sind so groß und hoch geworden, dass dieses Szenario sich immer öfter ereignen könnte. Außerdem stürmt es teilweise so stark aus Nordwest, dass etwa die Fahrt mit Sessellift oder auch Seilbahn gefährlich wurde.

Das zweite Beispiel ist ein tragischer Unfall im Mariazeller Gebiet, wo ein 62-jähriger Mann als Begleitperson einer Schülergruppe über den Pistenrand geriet und in einem vier Meter tiefen Schneebereich mit dem Kopf voraus steckenblieb und erstickt ist. Die Retter waren binnen 13 Minuten vor Ort, aber sie kamen zu spät.

Insgesamt acht Menschen verloren durch die Schneemassen unmittelbar ihr Leben, wobei manches absolut unverständlich ist wie eine australische Familie, die sich trotz aller Warnungen abseits der Pisten aufgehalten hat und der 16-jährige Sohn wurde von einem Schneebrett erfasst und getötet.

Und die Lage wird nicht einfacher. Den ganzen heutigen Donnerstag gibt es weiter viel Schneefall und erst am Freitag kehrt Ruhe ein. Der Freitag könnte auch der Tag sein, an dem man ein wenig die Wege befreien kann und vor allem die Dächer von der Last nimmt, denn das ist das nächste Problem. Und Freitag abend wird es wieder schneien - und laut Vorhersage der aktuellsten Wettermodelle bis Dienstag nächster Woche durch. Es gilt die zweithöchste Warnstufe der ZAMG. Das ist dann nochmals zumindest ein Meter Neuschnee, der zu den Massen hinzukommt.

Rekorde ohne Vorarbeit, 140 Straßen gesperrt

Das stellt die Frage nach Schneerekorde und manche werden wohl durch den zusätzlichen Schnee der nächsten Tage auch erreicht werden. Normalerweise gibt es solche Schneerekorde dann, wenn es ab November stark schneit. Auf diesen Schnee kommt der starke Schneefall von Jänner und/oder Februar und das summiert sich. Im aktuellen Fall war es im November viel zu warm, auch Anfang Dezember wurde Schnee vermisst, doch jetzt gibt es zuviel davon. Binnen kürzester Zeit hat es unglaubliche Mengen geschneit und es schneit weiter.

Die Folge ist auch ein Schneechaos auf dem Verkehrsweg. 140 oder gar mehr Straßen mussten in Österreich gesperrt werden. Auch in Bayern sind manche Orte nicht auf dem Straßenweg erreichbar. Allerdings sind viele Orte dies gewohnt wie Lech und Warth in Vorarlberg, auch in Obertauern kennt man den Winter. Doch Verhältnisse wie aktuell haben selbst ältere Menschen noch selten erlebt. Ein Problem ist dabei der Schnee insofern, als er sehr feucht und schwer ist. Das belastet nicht nur die Dächer, sondern vor allem auch die Bäume, die serienweise umstürzen, da sie das Gewicht nicht mehr tragen können. Zum Teil werden sie sogar entwurzelt.

Man erlebt es selten, dass man Hubschrauber nutzt, um mit der Verwirbelung der Rotorblätter die Bäume vom Schnee zu befreien - aber das hilft nur lokal und punktuell. Und zusätzlich ist dies nur möglich, wenn man auch fliegen kann. Viele Menschen, auch Touristen, kann man nicht ausfliegen, weil Wind und dichter Schneefall das schlichtweg nicht zulassen.

Der Freitag mit der vorübergehenden Pause beim Schneefall wird die Möglichkeit bieten, mit dem Hubschrauber mehr zu arbeiten - eingeschlossene Menschen zu holen, eingeschlossene Ortschaften mit Lebensmittel zu versorgen oder auch Erkundungsflüge für die Lawinenbeurteilung durchzuführen.

 

[Informationsplattform wissenswertes.at / 10. Jänner 2019]

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