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Warum gibt es im Frühjahr 2018 so viele Gewitter?

Ursachen der instabilen Wetterlage

Ein normales Wetter gibt es wohl nicht mehr, denken viele Menschen in Österreich genauso wie in Deutschland und anderen Nachbarländern. Der Jänner 2018 war viel zu warm, der Februar und März deutlich zu kühl und ab April gab es Hochsommer - Frühling war Mangelware. Aber es war im April und Mai nicht nur deutlich zu warm, sondern auch sehr unbeständig. Der Begriff des Höhentiefs machte die Runde, aber das alleine ist nicht der Grund, warum auch in den ersten Junitagen es fast schon dramatisch zu warm ist, gleichzeitig aber nahezu täglich heftige Gewitter niedergehen und die Feuerwehren gar nicht mehr zur Ruhe kommen können.

Warum so viele Gewitter? Was ist die Ursache?

Im April 2018 bildeten sich über Europa gleich zwei Höhentiefs, bei denen es sich um Tiefdruckgebiete in einer Höhenlage über fünf Kilometer in der Atmosphäre handelt. Diese haben in ihrem Zentrum sehr kalte Luft und das führt auch zum Begriff des Kaltlufttropfens und die Tiefs reagieren nicht wie normale Systeme und sind schwer vorherzusagen. Sie treten mal hier auf und mal dort und so kam es zu diesem intensiven Gewitter über Graz, während es in Wien oder Sankt Pölten staubtrocken blieb.

Man weiß dabei auch nie, wie lange es dauert, bis sich diese Systeme wieder auflösen. Die Lage hat sich aber verändert, denn ausgehend vom Mittelmeerraum gibt es sehr bodennahe, aber schwache Tiefdruckgebiete, deren Konsequenz es ist, dass sie feuchte und warme Luft aus Südeuropa bis nach Norddeutschland transportieren. Dazu gibt es ein sehr starkes Hochdruckgebiet in hohen Luftschichten, also das Gegenteil zu den Höhentiefs vom April. Dieses Hoch wird von den Meteorologen auch als blockierendes Hoch bezeichnet, weil es so stark ist, dass andere Frontsysteme sich nicht etablieren können.

Die Wetterlage ist daher eine Mischung aus hohen Luftdruck über feuchtwarmer Luft und Tiefdruckgebiete über dem Atlantik sind zu schwach, um das Hoch zu vertreiben. Die Wetterlage ist ähnlich der Omegalage, die zum Rekordsommer 2003 geführt hatte. Damals war ein mächtiges Hochdrucksystem von Tiefdrucksystemen eingesperrt worden und konnte sich nicht wegbewegen, weshalb es monatelang Hitze gab.

Im aktuellen Fall ist es zwar keine richtige Omegalage, aber das Hoch verhändert die Tiefs vom Atlantik und das erklärt, warum seit April und nun schon bald drei Monate es zum einen viel zu warm ist (Werte von 28 bis 30 Grad statt üblicher 22 Grad Celsius im Schatten) und andererseits, warum punktuell ständig Gewitter auftreten, die in Deutschland ebenso wie in Österreich lokal für Hochwasser sorgen und bei denen zum Teil intensive Regenmengen in sehr kurzer Zeit vom Himmel fallen.

Ein zusätzlicher Motor ist die sehr warme Luft aus Nordafrika, die direkt in den Alpenraum gebracht wird. Diese trifft auf die ohnehin schon feuchtwarme Luft und macht das Wettersystem noch instabiler, was die Gewittertätigkeit zusätzlich verstärkt.

Wie geht es weiter?

Die erste volle Juniwoche steht klar im Zeichen von zu großer Wärme und weiteren Gewittern, also nicht wirklich viele Neuigkeiten für Österreich. Erst mit dem Wochenende deutet sich eine Veränderung an, denn die Temperaturen könnten zurückgehen, wobei die Unsicherheit noch hoch ist. Höchstwerte um 25 Grad Celsius könnten ins Haus stehen und damit würde ein wenig die Energie für Gewitter heruntergeschraubt werden. Es kann auch kühler, aber auch wärmer sein - die Prognosen sind noch unsicher.

Die ganze Woche jedenfalls muss man sich auf schwüle und zum Teil sehr warme bis heiße Luft einstellen, aus der heraus die nächsten Gewitter entstehen mit zum Teil hoher Unwetterwahrscheinlichkeit, vorzugsweise wieder von Osttirol bis zum Burgenland, weil die Tiefs aus dem Mittelmeer hier am stärksten wirken, aber Gewitter kann es im ganzen Land geben.

 

[Infoplattform Wissenswertes / 4. Juni 2018]

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