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Rekordregen, Hochwasser und Föhnsturm in Österreich

Bis zu 630 Liter pro Quadratmeter

Das Jahr 2018 verlief in Österreich wie auch in vielen anderen Ländern in Europa viel zu trocken und man hat sich mehr Regen gewünscht. Der Wasserstand an der Donau war im Osten Niederösterreichs nur noch bei 60 cm, am Rhein in Deutschland sogar noch niedriger. Nun wurde Wasser geliefert, aber wie so oft war es dann des Guten zuviel, viel zu viel nämlich. Betroffen war auch nicht der Donauraum, sondern der Süden Österreichs und das gleich mehrfach.

Massives Tief bringt Rekordregen und Föhnsturm

Hochwasser in KärntenDie Ausgangslage war einerseits ein sehr kräftiges Hochdruckgebiet im Nordosten von Europa und andererseits zwei Tiefdruckgebiete im Westen, eines über den Britischen Inseln und eines über der iberischen Halbinsel. Dieses Tief über Spanien sorgte für eine massive Luftzufuhr von Afrika nach Nordeuropa und das ergab einen Föhnsturm, der am Wochenende vor allem in Ferlach in Kärnten große Schäden angerichtet hatte. Selbst im Tal gab es Windspitzen um die 130 km/h und etliche Häuser wurden abgedeckt, es bestand große Gefahr für die Menschen, dass sie von Einzelteilen getroffen werden könnten.

Zu dem Zeitpunkt setzte aber schon Regen ein, der durch das Tiefdruckgebiet, das immer mehr zu einem Genuatief wurde, ausgelöst wurde. Der Regen wurde in Kombination mit dem Wind von Süden kommend gegen die Alpen gedrückt und dort gab es kein Weiterziehen, also passierte genau die Wetterküche, die Hochwasser so oft auslöst. 2013 gab es von Bayern kommend viel Regen, der nicht über die Alpen kam und so gab es Sonne in Kärnten und Hochwasser in Tirol und Salzburg. Diesmal war der Fall umgekehrt.

Am Plöckenpass in Kärnten wurden 630 Liter Regen (!) auf den Quadratmeter gemessen und das ist mehr Regen, als zum Beispiel in einer Stadt wie Wien in einem Jahr (!) fällt. Der Haken: der Regen kam binnen von nur vier Tagen. Irgendwohin muss das Wasser und so gab es bald erste Überflutungen, wobei aber die Auffangbecken, die für die Stromversorgung zum Teil genutzt werden, frühzeitig geleert wurden. Das sollte sich noch als sehr hilfreich herausstellen, denn die große Sorge war, dass das Wasser, das von West nach Ost fließt, Orte wie Lavamünd erneut überschwemmen könnte. Es war fast zu erwarten, dass es dazu kam, aber durch die Auffangbecken war der Druck nicht so groß, es gab keine Flutwelle und Lavamünd kam, wie es die zuständigen Organisatoren formuliert hatten, "mit einem blauen Auge" davon.

Einher mit dem Regen kam auch der Föhnsturm. Es entstand die seltsame Situation, dass es intensiv regnet, aber immer wärmer wird. Man hätte eigentlich annehmen müssen, dass es kälter wird, wie es bei starkem Regen oft passiert und dass auf den Bergen Schnee fällt. Das wäre auch gut gewesen, weil dann ein erheblicher Teil des Wassers als Schnee gebunden gewesen wäre - aber das Gegenteil war der Fall. Die Schneefallgrenze stieg auf über 2.000 Meter Seehöhe, damit wurde die Belastung durch die Wassermassen nur noch größer. Während es in Vorarlberg und in Tirol tatsächlich abgekühlt hatte und etwa in Innsbruck Frühwerte von sechs Grad gemessen wurden, gab es in Kärnten schon in den Morgenstunden fast 20 Grad Celsius - und das bei Dauerregen.

Der Montag, der 29. Oktober 2018, brachte Erleichterung, weil der Regen nachgelassen und zum Teil aufgehört hatte, aber die Spitze sollte in der Nacht von Montag auf Dienstag erfolgen.

Höhepunkt des Regens

Und bis Mitternacht schüttete es dann auch ununterbrochen und stark. Der Starkregen verschärfte die Situation nochmals und dazu kam der Föhnsturm. Bäume wurden entwurzelt, Wasser trat über die Ufer und die Feuerwehren waren im Dauereinsatz. Einige der wichtigsten Täler in Kärnten waren auf dem Straßenweg nicht mehr erreichbar, viele Straßen mussten gesperrt werden und die Bahn war auch unterbrochen. In Osttirol war man überhaupt durch Murenabgänge abgesperrt. Osttirol war auf dem Straßenweg nicht mehr erreichbar und die Menschen wurden aufgefordert, daheim zu bleiben. Der Schulbetrieb wurde eingestellt, es war einfach zu gefährlich und zum Teil wären die Schulen gar nicht erreichbar gewesen.

Punktuell war ein 30-jährliches Hochwasser gemessen worden, an manchen Stellen sogar ein 100-jährliches. Das heißt, dass eine Wassermenge gemessen wurde, wie sie statistisch nur alle 30 oder sogar 100 Jahre vorkommen sollte.

Und der Rest von Österreich?

Geregnet hatte es in ganz Österreich, aber nördlich der Alpen war es kaum der Rede Wert. Mehr betroffen war man vom Föhnsturm, der in ganz Österreich für Schäden gesorgt hat, etwa im Grenzgebiet von Niederösterreich und der Steiermark, wo ein Zug gegen einen umgestürzten Baum gefahren ist, wodurch es auch in diesem Bereich zu Unterbrechungen des Bahnverkehrs kam. Der Föhnsturm brachte auch Wien Windspitzen um die 90 km/h, aber die Kombination aus Sturm und Starkregen war auf den Süden bis zu den Salzburger Tauern beschränkt.

Schlimm war es südlich der österreichischen Grenzen verlaufen. Ein Feuerwehrmann kam in Südtirol zu Tode, als er im Einsatz gegen die Wassermassen gearbeitet hatte, es gab in Südtirol zum Teil irre Schneemengen über 2.500 Meter Seehöhe und im Tal ebenfalls Hochwasser im großen Ausmaß. Die Folgen des Unwetters reichten bis zu den Küstenregionen von Kroatien.

 

[Infoplattform Wissenswertes / 30. Oktober 2018]

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