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Hurrikan Florence

Major Hurricane entgegen der Prognose

Am 1. September 2018 entstand nach einer längeren Ruhephase der sechste benannte Wirbelsturm im Atlantik, der den Namen Florence erhielt. Er entwickelte sich aus einem Tiefdrucksystem, das sich schon über Nordwestafrika gebildet hatte und nach Erreichen des Atlantiks wurde daraus ein Wirbelsturm.

Hurrikan Florence: erste Prognose

Der Tropensturm Florence brauchte zwei Tage, um sich zu etablieren und hat 70 bis 80 km/h an Windgeschwindigkeit aufgebaut, wobei die übliche Vorgehensweise das Weiterziehen Richtung Karibik wäre. Viele Wirbelstürme wählen diesen Weg, nachdem sie vor Nordwestafrika entstanden waren. Das ist aber laut erster Prognose bei Florence nicht der Fall, denn der Wirbelsturm sollte eine nordwestliche Richtung einschlagen, was ihn an der Karibik vorbeiführen würde, wenn er denn so lange die Energie halten kann.

Bei langer Sicht könnte das Ziel die Inselgruppe der Bermudas sein, aber dahingehend ist die Reise noch sehr lang. Eine Verstärkung zum Hurrikan ist aktuell auch nicht anzunehmen.

Wie war es wirklich?

Der Wirbelsturm hielt sich direkt an die Prognose, denn er zog in nordwestlicher Richtung durch den Atlantik und war damit immer weiter von der übliche Route entfernt, die ihn auf die Kleinen Antillen geführt hätte. Aber bei Fortdauer der Zugrichtung könnten die Bermudas noch getroffen werden, doch dazu muss noch ein ordentliches Stück Strecke überwunden werden. Die Windgeschwindigkeit hatte sich auf 100 km/h verstärkt, eine Hurrikanstärke wurde aber trotzdem nicht erwartet.

Doch damit lag man falsch, weil der Wirbelsturm sich deutlich verstärkt hatte. Schon am 4. September 2018 war Hurrikanstärke 1 mit Windgeschwindigkeiten um die 140 km/h erreicht worden und am 5. September wurde daraus ein Hurrikan der Stufe 2 mit bis zu 160 km/h Windgeschwindigkeit. Die Zugrichtung wies weiterhin auf Nordwest, sodass die Bermuda-Inselgruppe nach wie vor ein Ziel sein könnte.

Und die Entwicklung setzte sich noch weiter fort, weil am gleichen Tag verstärkte sich der Hurrikan zu einem Major Hurricane, also zu einem starken Hurrikan, was ab Stufe 3 der Fall ist. Hurrikan Florence erreichte nämlich Stufe 3 mit Windgeschwindigkeiten um die 180 km/h, wobei die Zugrichtung sehr launisch wurde. Mal nach Nordwest, mal nach West, aber immer noch Richtung Bermudas, wobei sich der Wirbelsturm noch zwischen 45. und 50. Längengrad aufhielt und der Weg lang ist. Doch am Montag könnte sich der Hurrikan als einer der Stufe 3 in das Umfeld der Inselgruppe bewegt haben.

Oder auch nicht. Florence wurde zu einem der seltsamsten Wirbelstürme der letzten Jahre, weil sich praktisch binnen von 12 Stunden völlig unterschiedliche Situationen ergaben. Ursprünglich sollte maximal kurz die Stufe 1 erreicht werden und der Tropensturm hätte auch bald Geschichte sein können. Doch er verstärkte sich zu einem starken Hurrikan der Stufe 3 und am 7. September 2018 war daraus ein Tropensturm geworden, der sich Richtung Westen orientiert.

Die Bermudas waren dann wirklich kein Thema mehr, stattdessen zog der Wirbelsturm weiter nach Westen und überdauerte bereits über eine Woche an Aktivität. Mehr noch, er verstärkte sich wieder zum Hurrikan und wurde sogar wieder ein Major Hurricane, also ein Hurrikan der Stufe 3. Dabei blieb es aber nicht, denn am 11. September 2018 wurde daraus ein Hurrikan der Stufe 4 mit Windgeschwindigkeiten bis zu 225 km/h und es bestand sogar die Gefahr der höchsten Stufe 5. Zielgebiet war North Carolina, denn der Hurrikan schlug laut neuer Prognosen immer mehr eine nordwestliche Richtung ein.

Aber einen Tag später war es schon wieder anders. Der sehr starke Hurrikan würde doch im Grenzgebiet von South Carolina und North Carolina an Land treffen, weiterhin mit der Option der höchsten Einstufung 5, was Windgeschwindigkeiten ab 250 km/h bedeuten würde. Viele tausende Menschen brachten sich schon in Sicherheit, US-Präsident Trump riet zur Flucht oder Vorbereitung und auch im Landesinneren besteht Gefahr, weil neben den starken Windböen bringt Florence sehr viel Regen mit, ergo gibt es Hochwassergefahr auch in den angrenzenden Bundesstaaten.

Und wieder einen Tag später, am 13. September 2018, hatte sich Florence auf Stufe 2 abgeschwächt. Damit war es immer noch ein starker Wirbelsturm mit Windgeschwindigkeiten um die 160 km/h, aber von der höchsten Stufe war der Hurrikan jetzt weit entfernt. Die Gefahr war aber weiterhin groß, weil trotzdem große Regenmengen mitgeführt wurden. Geändert hatte sich auch die Zugrichtung. Ursprünglich sollte Richtung Nordwest und eher in North Carolina der Landfall erfolgen, nun ist wohl eher South Carolina frontal das Ziel, weil sich der Hurrikan Richtung Westen orientiert hatte. Der Landfall wurde für Freitag vorhergesagt.

Am 14. September 2018 schwächte sich der Hurrikan weiter auf Stufe 1 ab und wurde immer langsamer. Mit nur sechs Knoten zog der Wirbelsturm in das Küstengebiet vor North und South Carolina und diese langsame Zuggeschwindigkeit ist ein Problem, weil es dann punktuell intensiven Regen gibt, ohne dass das System weiterzieht. Über eine Million Menschen wurden aufgefordert, die Küstenregionen zu verlassen. Der Landfall war im Tagesverlauf des 14. September zu erwarten und so kam es dann auch.

Schnell wurde der Wirbelsturm zum Tropensturm herabgestuft und brachte Überflutungen im Küstengebiet. Etwa eine halbe Million Haushalte hatten keinen Strom. Das große Problem war die Zuggeschwindigkeit, denn mit gerade einmal fünf Meilen pro Stunde zog der Wirbelsturm sehr langsam weiter, was bedeutete, dass riesige Regenmengen auf gleicher Stelle zu Boden gingen und man tatsächlich von flutartigen Regenfällen sprechen kann. Schätzungen gehen von 500 Liter auf den Quadratmeter aus. Zu befürchten war auch, dass es Wochen dauern könnte, bis das Wasser wieder zurückgehen würde.

Der Wirbelsturm zog als schon schwächerer Tropensturm sehr langsam durch South Carolina und orientierte sich immer mehr in Richtung Landesinnere. Über dem Bundesstaat Kentucky könnte er sich gänzlich auflösen, aber nach einem Schwenk nach Nordost bis fast nach Maine für starken Regen sorgen. Am Abend des 16. September war der Tropensturm zu einer tropischen Depression herabgestuft worden. Die Windspitzen reduzierten sich auf 50 km/h, nun war das Wasser die alleinige Bedrohung, aber eine, die noch Tage Wirkung zeigte.

Fazit: zumindest 23 Tote

Ein erster Bericht ging davon aus, dass fünf Menschen gestorben sind, unter anderem wegen Schlammlawinen und umgestürzte Bäume. Großflächig fiel der Strom aus, es gab weitreichende Überflutungen. Am 16. September wurde die Opferzahl auf 13 erhöht, regional waren schon 70 Liter auf den Quadratmeter an Regen gefallen und es gab viele Überschwemmungen und damit auch die Sorge, dass es weitere Schlammlawinen geben könnte. Auch die Entstehung von Tornados durch die unterschiedlichen Druckverhältnisse wurde befürchtet.

Am 18. September 2018 wurde die Opferbilanz auf 23 erhöht und es stand zu befürchten, dass die Zahl noch weiter steigt. Zwar hatte sich der Wirbelsturm aufgelöst, aber es regnete noch immer sehr stark und besonders in South Carolina war das Problem, dass neben dem Hochwasser auch das Wasser der Flüsse aus North Carolina transport hatte.

 

[Infoplattform Wissenswertes / 18. September 2018]

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