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Doppelbottom oder Doppelboden / Doppeltief

Zweimaliger Test eines Börsenkurses nach unten

Die verschiedensten Situationen an der Börse haben entsprechende Begriffe als Umschreibung bekommen und dazu zählen auch etwas sonderbare Konstruktionen. Sehr bekannt ist der Begriff vom Doppeltop, wobei ein Kurs zum Beispiel einer Aktie zweimal stark nach oben ausbricht, aber nicht über diesen Punkt hinauskommt. Witzigerweise ist dieser Ausbruch nach oben eher ein Zeichen dafür, dass es mittelfristig nach unten geht. Und genauso gibt es das umgekehrte Szenario, das aber nicht so oft genannt wird. Und es lautet Doppelbottom.

Definition Doppelbottom

Unter dem Namen Doppelbottom oder zu deutsch Doppelboden, häufiger Doppeltief, versteht man eine ähnliche Situation nur nach unten statt nach oben. Ein Aktienkurs verliert stark, legt aber wieder nach oben zu und verliert nochmals stark. Obwohl das zweimal eine negative Handelssituation ist, ist hier wie im eingangs beschriebenen Szenario des Doppeltop das Gegenteil der Fall. Wenn nämlich nach der zweiten Bodenbildung der Kurs wieder steigt und dann aber über den Punkt hinaus, der zwischen den beiden Rückgängen erreicht worden war, dann kann es stark nach oben gehen.

Man könnte es auch einfach so umschreiben, dass zweimal getestet wird, ob es weiter nach unten gehen kann. Hier trifft man auf eine starke Unterstützung und daher federt man wie beim Trampolin nach oben und in manchen dieser Fälle gibt es kein Halten mehr und der Kurs legt deutlich zu.

Wie kommt es zu diesem Kursverlauf mit Doppeltief?

Die Situation wird nicht so häufig angetroffen und medial kaum genannt, aber es gibt schon genug Möglichkeiten für einen solchen Kursverlauf. Gerade bei unsicherer Lage gibt es den Effekt, dass Anlegerinnen und Anleger so agieren wie die breite Masse und verkaufen eine Aktie, weil der Kurs fällt. Man merkt dann aber die Unterstützung und dann wird die Aktie schnell gekauft, um am Gewinn des Kursanstiegs mitnaschen zu können. Letztlich wiederholt sich der Fall aus verschiedenen Gründen und so kommt es nochmals zur Bodenbildung. Die erste Bodenbildung ist ein Antesten, die zweite Bodenbildung ist praktisch die Bestätigung, dass der Kurs aktuell nicht tiefer fallen kann und so orientiert sich der Markt nach oben.

Was steht aber dahinter und was ist eine Unterstützung? Wenn etwa der Kurs einer Aktie nach unten fällt, gibt es drei mögliche Handlungen:

  • man verkauft, um keinen Verlust zu erleiden
  • man wartet ab
  • man kauft, um den nun günstigeren Aktienwert zu nutzen

Die erste Handlung ist offensichtlich: die Anlegerinnen und Anleger haben die Aktien zum Wert X gekauft, vielleicht ging die Aktie sogar ein Stück nach oben und mit dem Verkauf will man verhindern, dass man in die Verlustzone gerät. Je mehr verkaufen, umso steiler fällt der Kurs.

Bei der zweiten Handlung wartet man einfach ab, ob der Kurs dauerhaft fällt. Vielleicht hatte man einen sehr hohen Kursgewinn erzielt und kann es sich leisten, ein paar Prozent wieder zu verlieren - man würde trotzdem noch positiv aussteigen. Es kann auch gut sein, dass man langfristig die Aktie behalten will und ein wenig Auf und Ab ist unterhaltsam, aber kein Grund, zu verkaufen.

Die dritte Handlung führt zum Begriff der Unterstützung. Eine Aktie fällt und verliert damit an Wert. Das ist für den Besitzer nicht gut, aber für den Nicht-Besitzer kann das hervorragend sein. Denn wenn eine Aktie von 30 auf 20 Euro pro Stück fällt, kann man sie um ein Drittel günstiger erwerben und wenn dies ein Wertpapier eines angesehenen Unternehmens ist, dann warten viele nur auf die Gelegenheit, günstig zu diesen Aktien zu kommen. Je günstiger die Aktie wird, umso mehr Lust haben Anlegerinnen und Anleger, um diese zu erwerben, ergo gibt es eine Gegenbewegung.

Durch den Verkauf fällt der Kurs, aber die neuen Käufer stabilisieren den Kurs bei einem bestimmten Wert. Bleiben wir beim Beispiel mit dem Kursverlust von 30 auf 20 Euro, dann kann es sein, dass zwar weitere Anleger verkaufen, aber im gleichen Maße kaufen neue Anleger und so gleicht sich das aus und der Aktienwert bleibt bei den 20 Euro und fällt nicht weiter.

Das wiederum merken alle anderen und erkennen die Stärke der Aktie. Die, die jetzt gekauft haben, rechnen damit, dass der Kurs steigt und sie daher günstig einkaufen konnten und noch dazu einen Kursgewinn erzielen. Die Idee spricht sich herum und schon geht der Kurs nach oben, weil immer mehr einsteigen.

Soweit, sogut: aber warum fällt der Kurs nochmals?

Die neuen Einkäufer freuen sich, wenn der Kurs wieder bei 30 Euro landet, weil sie 10 Euro pro Aktie Gewinn erwirtschaftet haben. Mehr geht kaum und so verkaufen sie nun und das Spiel wiederholt sich. Die anderen merken das und verkaufen auch und so gibt es wieder den Fall nach unten, aber bei 20 Euro wiederholt sich die Unterstützung.

Nun kommt es zu dem Fall, dass die Marktbeobachter erkennen, dass die Aktie nicht unter 20 Euro fallen kann, also stabilisiert sich der Wert und es steigen immer mehr Leute ein, weil bei dieser Aktie ein großer Verlust ausgeschlossen scheint. Und das ist der Punkt, an dem die Aktie deutlich über die 30 Euro steigen kann (nicht muss) und das Szenario des Doppelbottom oder Doppeltiefs abgeschlossen wird.

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