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Derivate einfach erklärt

Absicherung von schwankenden Preisen

Die Derivate wurden durch die Bankenkrise und Finanzkrise ab dem Jahr 2007 zu einem häufig genannten Problem der Spekulation. Derivate sind damit generell als böse anzusehen und haben eine Dynamik ausgelöst, die kaum jemand kontrollieren kann. Aber eigentlich ist ein solches Finanzprodukt noch nicht wirklich übel, erst die Spekulation außerhalb der Börse sorgt für die Schwierigkeiten und ist auch zum tatsächlich großen Anteil verantwortlich für die Krise, die weltweit die Nationalstaaten unter Druck gesetzt hatte.

Derivate: die Ausgangsüberlegung

Ein Derivat kann auf unterschiedliche Art erfolgen - als Option, als Future oder Forward. Generell gibt es zwei Handelspartner und die seit gut 100 Jahren bekannte Form ist nicht böse, wenn auch ein wenig spekulativ und stammt aus der Landwirtschaft, die man vielleicht mit der Börse im ersten Gedanken nicht verknüpfen würde.

Wenn ein Bauer (Landwirt) sichergehen wollte, dass seine Ernte im Herbst auch verkauft werden kann, hat er sich einen Käufer gesucht und ein Derivat abgeschlossen. Darin ist festgelegt, wie viele Tonnen von Produkt X zum Preis Y zum Termin Z verkauft werden. Der Bauer hat damit zwei große Vorteile: erstens weiß er, dass er die Ernte los wird und damit nicht umsonst gearbeitet hat. Zweitens weiß er auch, dass er einen Preis erzielt, von dem er gut leben kann. Fällt der Preis global, dann hat er sogar sehr gut verdient. Pech hat der Bauer, wenn der Preis gestiegen ist, denn dann muss er günstiger verkaufen als es aktuell der Fall wäre.

Umgekehrt hat der Käufer auch Vorteile. Er braucht die Ernte, um diese industriell zu verarbeiten und steht nicht mit leeren Händen ergo ohne Rohstoffe da. Das gibt schon einmal wirtschaftliche Sicherheit. Außerdem weiß er, zu welchem Preis er kauft und wenn die Preise steigen, fährt er günstiger. Nur bei einem Absinken der Weltmarktpreise müsste er teurer kaufen.

Beide spekulieren damit, günstiger zu fahren und sichern sich ab - daher ist das Derivat eigentlich ein gutes Produkt für beide Partner und in diesem Kontext gibt es auch eine reguläre Handlung.

Beispiel
Vereinbarung: Kauf der Ware um 100 USD

Kurs fällt auf 95 USD
Verkäufer gewinnt 5 USD und kann teurer verkaufen, er wird seine Ernte los, der Käufer hat fix die Ernte für die weitere Bearbeitung, muss aber um fünf Dollar (zum Beispiel pro Tonne Gemüse) teurer einkaufen.

Kurs steigt auf 105 USD
Verkäufer muss um 5 USD billiger verkaufen, wird aber auch seine Ernte los, der Käufer gewinnt beim Kauf fünf USD.

Derivat und Spekulation

Das Böse am Derivat entsteht dann, wenn nichts gekauft, nicht verkauft und nur spekuliert wird. Dabei kauft man theoretisch zum Preis x und verkauft aber, wenn der Kurs gestiegen ist, ohne dass eine tatsächliche Handlung erfolgt ist. Der nächste verkauft wieder bei günstigem Kurs und so wird das Spiel auf die Spitze getrieben. Derviate werden an den Börsen auf noch sicherere Art und Weise gehandelt als die Futures, aber es gibt auch Derivate abseits der Börse und damit ohne große Rahmenbedingungen und Absicherung. Dazu muss man wissen, dass der Börsenhandel an der Börse (also über die Börse ergo auch via Internet) bestimmten Rahmenbedingungen unterliegt. Werden diese nicht eingehalten, gibt es Ärger. Abseits der Börse gibt es diese Kontrollmechanismen nicht.

Schon bei den Futures geht es um viel Geld und Spekulation, bei anderen Produkten wie den Forwards ist das Risiko noch höher. Und mittlerweile ist der Umfang dieses Börsenhandels größer als der reguläre an der Börse. Und das ist das Problem, weil dabei nicht nur reiche Privatpersonen beteiligt sind, sondern Investmentgesellschaften, Großbanken und ähnliche Organisationen. Gibt es ein Problem, dann kommt es zur Kettenreaktion - wie 2007 und in den Folgejahren geschehen.

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Begriffe zu den Derivaten

Call-Option
Die Call-Option ist ein Derivat und eine Option an der Börse, bei der der Besitzer der Option das Recht hat, das Underlying zu kaufen.

Futures
Futures sind eine Form von Derivate an der Börse, bei der beide Geschäftspartner auf Kursgewinne spekulieren.

Kontraktgröße
Kontraktgröße oder Anzahl (Stückzahl) ist die Bezeichnung an der Börse für die Quantität eines Handels bei Derivate wie den Optionen oder Futures.

Long
Long oder Long Position ist ein Ausdruck an der Börse für den Besitzer eines Derivates mit verschiedener Aussagekraft.

Option
Optionen sind Börsengeschäfte, die als Untergruppe zu den Derivaten gehören und für Kursspekulationen genutzt werden können.

Option und Zeitpunkt
Beim Optionshandel unterscheidet man den Zeitpunkt oder Zeitraum für die Handelserfüllung ergo Europäische und Amerikanische Option.

Put-Option
Die Put-Option ist eine Option an der Börse, bei der der Besitzer das Recht hat, das Underlying des Handels zu verkaufen (long position).

Short
Short oder Short Position ist ein Ausdruck beim Börsenhandel mit Derivate, bei der man mit Leerverkäufe spekuliert.

Strike Price
Ausübungspreis oder Strike Price ist der festgelegte Preis bei einem Derivat an der Börse - häufig ein Kurswert für den Handel etwa von Rohstoffe.

Swap
Swap ist ein Tauschgeschäft und eine Unterkategorie der Derivate, das häufig zu Spekulationen an der Börse genutzt wird.

Termingeschäft
Termingeschäfte zählen zu den Derivaten an den Börsen und werden als Spekulation auf den Gewinn, aber auch zur Kursabsicherung durchgeführt.

Underlying
Underlying ist ein Begriff an der Börse beim Handel mit Derivate und umschreibt das eigentlich gehandelte Gut wie etwa Rohstoffe, Währungen oder andere Finanzprodukte.

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