Skispringen gibt es schon sehr lange und war jahrzehntelang von den Norwegern und teilweise von den Finnen dominiert. In manchen Saisonen der letzten Jahre scheint dies immer noch so zu sein, aber das täuscht, denn die Mitteleuropäer, vor allem die Deutschen und Österreicher, haben nachgezogen und auch die Schweizer haben aktuell mit Simon Ammann und Andres Küttel zwei starke Springer, die immer für einen Sieg gut sind.
Die Faszination vom Skispringen geht wohl vom sehnsüchtigen Wunsch des Menschen aus, selbst fliegen zu können und in dieser Wintersportart kann man seinem Traum für wenige Augenblicke Ausdruck verleihen. Skispringen ist aber auch eine Massensportart, die zigtausende Menschen zu den Sprungstadien lockt, um beim Wetteifern, wer am weitesten springen kann, dabei zu sein.
Wie jede andere moderne Sportart hat auch das Skispringen viele Phasen durchgemacht. Die dramatischste Veränderung wurde sicherlich durch den V-Stil initiiert. Der Schwede Jan Boklöv begann Ende der 80er-Jahre mit diesem Sprungstil, bei dem er die Spitzen seiner Skier während der Flugphase weit auseinanderrieß, sodass die Stellung der Skier wie der Buchstabe V aussah - deshalb auch der Name. Wie sich rasch herausstellte, hatte Jan Boklöv damit aerodynamisch riesige Vorteile. Er wurde von den Sprungrichtern zwar mit hohen Punkteabzügen belegt, aber er sprang soviel weiter als alle anderen, dass er trotzdem den Weltcup gewinnen konnte.
Heute diskutiert niemand mehr über diesen Sprungstil, denn er ist einfach normal geworden. Mit parallel geführten Skiern könnte heute kein Skispringen mehr gewonnen werden. Eine weitere Konsequenz des V-Stils war die Tatsache, dass viele Skisprungschanzen nicht mehr zeitgemäß waren. Der V-Stil verbesserte die Weitenjagd dermassen, dass die besten Springer bis in den Auslauf gesegelt waren und die Landung gefährlich wurde. Daher wurden im Laufe der letzten Jahre viele Stadien um- oder gleich neugebaut.
Eine weitere Veränderung des Weltcups im Skispringen ist das Faktum, dass fast nur noch auf Großschanzen gesprungen wird. Die Normalschanze, gerne auch K-90-Schanze genannt, wird eigentlich nur als Vorbereitung für Nordische Ski-Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele eingesetzt, ansonsten springt man auf den Großschanzen.
Dazu kommt die besonders beliebte Disziplin des Skifliegens. Lange Jahre war wegen der Rekordjagd mit der FIS, dem Weltverband, gestritten worden, der keine neuen Weitenrekorde mehr anerkennen wollte. Auch das ist Schnee von gestern, denn heute gibt es kaum noch starke Springer, die noch nie über der 200-Meter-Marke gelandet sind. Die meisten davon in Planica, wo der Norweger Björn Einer Romören auf sagenhafte 239 Meter landete und damit für ein paar Sekunden wirklich das Fluggefühl auskosten konnte.
Skispringen ist längst zur ganzjährigen Sportart geworden. Hatte man in den 80er- und 90er-Jahre begonnen, Sprunganlagen mit Matten zu Trainingszwecken auszustatten, so gibt es mittlerweile einen eigenen Sommer-Weltcup, der genauso spannend und attraktiv abläuft wie jener im Winter. Nur springt und fliegt man nicht von schneebedeckten Schanzen, sondern von Schanzen, die mit Kunststoffmatten ausgelegt wurden.
[wissenswertes.at / 27. Juni 2007]
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